Freitag, 4. März 2011

 Labelwatch und Interview: Plastikgold.



Plastikgold ist das 2010 ins Leben gerufene Label von Simon Smykalla. Der 23-jährige ist gelernter kaufmännischer Assistent für Informationsverarbeitung und machte bereits Praktika bei der Modedesignerin Tatsiana Hershaniuk und an der Musik und Kunstschule Bielefeld. Er stellte sich gerne bereit mir ein paar Fragen zu seinem Label zu beantworten, welches eigentlich noch in den Kinderschuhen steckt. Simons Motivation Plastikgold großzuziehen wie eine liebende Mutter ihr Baby, ist sehr groß und deswegen wird es sicher nicht mehr lange dauern, bis Plastikgold in das Regime der wirklich erfolgreichen deutschen Labels aufgestiegen ist.

Was war deine Motivation ein eigenes Label zu gründen?
- Ich denke in gewisser Weise trifft es Selbstverwirklichung am Besten. Aber damit meine ich nicht die Repräsentation meiner Persönlichkeit, sondern eher die Manifestation meiner Entscheidungsfreiheit. Es ist ein tolles Gefühl, wenn ich mir meine Website anschaue und ich sehe, was ich bisher selbstständig geschaffen habe. Natürlich habe ich mit einigen Leuten über Designs oder solche Dinge gesprochen, die Entscheidungen dafür lagen aber letztendlich immer bei mir und die unterschiedlichen Reaktionen darauf motivieren mich. Sicherlich sind das alles eher egoistische Motive, aber ich würde mir nicht anmaßen wollen zu behaupten, dass ich mit Plastikgold versuche die Welt zu retten oder sie zu verbessern. Im Prinzip möchte ich einfach Mode machen, die mir und vielleicht auch dem einen oder anderen gefällt.

Was ist die Philosophie von Plastikgold?
- Plastikgold besteht aus Gegensätzen, das fängt bereits beim Namen an. Es wird spätbarocke Kunst für die Präsentation verwendet, diese verzichtet explizit auf jegliche Symmetrie. Die T-Shirtmotive bestehen aber fast ausschließlich aus symmetrischen Formen. Gegensätze als Stilmittel zu benutzen ist nicht wirklich etwas Neues. Leider wurde Yin und Yang durch viel zu häufiges Verwenden der eigentliche Sinn genommen, zutreffen tut es trotzdem.

"When god closes a door, he opens a dress"

Vor einer Weile habe ich für die Streetwear today einen Text geschrieben. Hier ein kleiner Auszug bezüglich der Philosophie: "They say victory wouldn't be so sweet, if it wasn't for all the adversity. You couldn't have felt that great last night without feeling so stale right now. Yin and Yang motherf***er ! This moment of enlightment, that's the spark that made the idea of PLASTIKGOLD bright."

Welche Zielgruppe soll Plastikgold erreichen?
- Eine Zielgruppe zu definieren fällt mir schwer. Es geht mir darum Mode mit einem kleinen, aber unausgesprochenen Hintergrund zu machen. Im Prinzip macht es keinen Unterschied, ob man sich einer Subkultur zugehörig fühlt, wenn man Lust hat 30€ für ein T-Shirt locker zu machen - then be my guest. Es ist also egal, ob man einen Burberry Trench trägt, drei Tage für Nike Air Yeezy angestanden hat, im Club seine Wayfarer trägt oder nicht ohne ein Skateboard das Haus verlässt.

"...the brand is rather more of a lifestyle statement than a subculture accessory."

Wer oder was inspiriert dich?
- Menschen, die sich nicht an Normen halten, Menschen die auf den VMA's besoffen blonden Countrysängerinnen den Award absprechen oder Menschen, die 10 Millionen Dollar wetten, dass ihre Datenbanklösung doppelt so schnell läuft wie die der Konkurrenz. Um jetzt noch einen Bezug auf Mode zu finden, muss ich sagen, dass es natürlich auch ein paar Labels und Designer gibt, die mich inspirieren, ich aber keine nennen möchte. Außerdem inspiriert mich natürlich mein Umfeld. Das können Bücher sein, aber auch Personen, die ich treffe oder schon länger kenne. Generell kann man sagen, dass ich ein Fan von puristischem Design bin und versuche, jedenfalls bei den Designs, dem Motto "weniger ist mehr" treu zu bleiben.

Welche Stoffe werden verwendet?
- Bisher ausschließlich Jersey aus unterschiedlichen Materialien (Viskose, Baumwolle, Polyester). In der letzten Kollektion wurden fast ausschließlich T-Shirts von American Apparel verwendet. Die neue Kollektion "Chrysopoeia" wird zum Großteil aus eigenen Schnittmustern bestehen, zu den Stoffen möchte ich aber noch nichts sagen.

Was hat das Logo für eine Bedeutung und wie bist du darauf gekommen?
- Das alte Logo war sehr einfach und wurde, wie sich später herausgestellt hat, bereits leider von einer anderen Marke benutzt - Chronicles of Never. Ein Problem mit so einfachen Symbolen ist, dass diese eben oft schon woanders verwendet werden, unter anderem sogar mittlerweile von Zara. Wobei Zara hierfür natürlich ein denkbar schlechtes Beispiel ist. Das Katzenmuster von Miu Miu dürfte wohl jedem im Gedächtnis geblieben sein. Für das neue Logo wurde ein kleiner Teaser gedreht. Das Ganze mit einem Post zu ändern, wäre einer so großen Veränderung nicht gerecht geworden. Das neue Logo ist das Alchimistische Symbol der Vorstufe für den Stein der Weisen und heißt "Azoth".

Was erhoffst du dir von der Zukunft für Plastikgold?
- Einerseits wäre es natürlich schön, irgendwann einmal von Plastikgold leben zu können oder vielleicht sogar "gut" davon leben zu können. Und es wäre schön in den nächsten Jahren auf der ein oder anderen Modemesse vertreten zu sein und dadurch dann vielleicht auch in dem einen oder anderen Geschäft. Andererseits wünsche ich mir, dass mein Lebensstil es meiner Leber erlaubt bis zur nächsten Kollektion durchzuhalten.



Kommentare:

  1. cooles Label, ich werde mir direkt nen T-shirt zulegen!

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  2. das mädel in dem teaser ist übrigens lisa von superlative-conspiracy.blogspot.com

    und danke nochmal fürs Interview! :)

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